Zum Inhalt springen

Kategorie: EM 2008 – Wenn der Alpenfirn sich rötet

Land der Äcker, Land der Dome

Tschüss Jupp Derwall Jogi Löw?

Ich will ja nicht unken, unke aber.

Es gab da schon mal diese Situation, dass ein Remis gereicht hätte. Die Österreicher sind keine Spanier, das hat man ganz genau gesehen. Außerdem scheint wenigstens Lehmann in irgendsoetwas wie Normalform zu sein. Aber so ein Remis ist ja immer verlockend. Damals war ein Trainer dann auch Geschichte. Und vielleicht haben wir die letzten Minuten von Jogi Löw auf der deutschen Trainerbank schon hinter uns. Wäre schade um seinen putzigen Dialekt, um die Rubrik hier und vor allem um die Katastrophe, die uns drohte, wenn er wirklich kurzfristig gegangen werden „müsste“.

Komisch, da wacht man auf und plötzlich ist alles ganz anders als überhaupt. Aber so plötzlich?

So schnell kann’s gehen.

2 Kommentare

Spargelzeit

Das Angebot der hiesigen Pizzeria für die Pizza zur deutschen Nationalmannschaft heißt übrigens „Spargelzeit“.

Meint man damit Mertesackers Beine, eine Variante zur „Rumpelzeit“ oder doch einfach das, was mit dem Urin dann passiert, wenn man fertig hat?

In meinem Assoziationsblaster erhalte ich bei der Kombination „Spargel“ und „fußballerische Leistung“ jedenfalls keine positiven Auswürfe. Und schon gar keine positiven Ausflüsse.

1 Kommentar

Der Schläfer

Nachdem ich einige Zeit brauchte, um mich davon zu erholen, dass die Zeit seit Klinsmann gar nicht stattgefunden hat und alles nur ein schöner Traum war, vor allem die Siege in der Slowakei und in Tschechien, wird mir jetzt klar, dass ich da nur das geträumt habe, was ich mir gerne wünsche: Dass man wieder gerne bei diesen Länderspielen zusieht. Es geht gar nicht so sehr, auch, ums Gewinnen, aber eigentlich geht es darum, dass man nicht das Gefühl haben muss, dass die Jungs in weiß ein anderes Spiel spielen als der Gegner, wenn sie denn überhaupt spielen.

Man würde gerne sagen: so ein Ausrutscher, der darf vorkommen. Aber wenn man genau hinschaut, gibt es seit dem Spiel in Irland, dem folgenden in Wales, dem gegen Serbien, Weißrussland, Tschechien eigentlich überhaupt nichts mehr, was an Dominanz des Gegners oder an Spielfreude im Sinne auch des Willens, ein solches Spiel zu gewinnen, auffiele.

Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn dieser Traum wahr geworden wäre. Jetzt geht es doch wieder weiter mit Gurkenfußball, bei dem einzig das Weiterkommen die arg limitierten Mittel und vor allem diese Spielweise rechtfertigt.

Es gibt zwar heute Abend noch eine Chance, das alles als einmaligen Ausrutscher ablegen zu können, DDR, Sparwasser und so, der Warnschuss „just in time geliefert“. Einzig, der Glaube fehlt, dass man das kurzzeitige Hoch zwischen den beiden Turnieren ernsthaft hat konservieren können und es bislang nur geschickt versteckte. Hier wehen keine Fähnchen im Wind, die ausgemachte Überlegenheit, gerade im Bereich der Fitness, aber auch im „Willen“, fehlte schon lange, und man durfte dennoch hoffen, dass es solch einen argen Rückfall nicht mehr geben würde.

Schauen wir, ob wir heute Abend wieder das Gegenteil behaupten müssen, ich fürchte nein. Wenn da diese erste Szene aus deutscher Sicht bei der EM kein Omen ist: hoher Ball in den Strafraum und Lehmann und Mertesacker rennen sich erstmal über den Haufen. Ein wenig bang ist mir vor den ersten Minuten dessen, was da kommen möge, schon. Kann doch nicht vier Jahre lang geträumt haben?

6 Kommentare

Quintessenz

Die Färöer hätten das angesichts der Bedingungen heute locker nach Hause geschaukelt. Aber die Schwiz hat eben keinen Hickersberger.

22 Kommentare

Tollhaus

„Wenn der Schiedsrichter gleich abpfeift, wird sich die eine Hälfte des Stadions in ein Tollhaus verwandeln.“

So sagte es Thomas Wark justameng und wir sind noch froher, keine Karten bekommen zu haben, denn wie Wikipedia weiß:

„Ein Tollhaus ist der Vorläufer des Irrenhauses. Meist wurden die Geisteskranken oder geistig Behinderten unter schlechtesten Bedingungen untergebracht. Sie erhielten nur unzureichend Nahrung und Wasser, waren angekettet, wurden geschlagen und gequält und von der Bevölkerung verachtet. Mit Folterwerkzeugen versuchte man, sie „zur Vernunft zu bringen“

Anketten, schlagen, quälen — das kennt man ja aus Österreich[1], dass aber auch die Schweizer schon zu diesen Methoden greifen, um die Leute im Stadion zu halten, hätten wir nicht gedacht.

[1] 5 SFr. in die Nicht-am-Elfmeter-vorbeigehen-können-Kasse.

2 Kommentare

100 Stündli

Komischer Gedanke: Sollten die Schweizer gleich nach dem Türkeispiel schon ausgeschieden sein, wären das läppisch wirkende 100 Stündli EM-Vergnügen gewesen, bei 2 Jahren Vorbereitung und -freude.

6 Kommentare

Und immer diese hohen Managergehälter (bei geringer Leistung)

Zeit-Management, keine Ahnung, ob das auch zu Olli Bierhoffs Aufgabengebiet gehört, wenn er nicht gerade Seminare im Uhrenzusammenbauen oder vorläufige-Kader-Verkündungs-Zelebrierungen auf der Zugspitze organisieren muss. Wäre aber schön, schließlich ist ein Manager gemeinhin dazu da, zu managen. Das mit dem Zeitmanagement hat er aber noch nicht so wirklich heraus, vor allem — Skandal für einen Manager — setzt er gerade dabei die falschen Prioritäten.

„Um Standardsituationen zu trainieren, fehlte bislang die Zeit.“

So wird Jogi Löw irgendwo zitiert und man darf anfügen: Kein Wunder, wenn man dauernd mit der Familie rumhängen darf, Basketball spielt oder ansonsten unmotiviert freie Nachmittage ausschenkt.

Bei der WM 2006 hatten — damals noch — Jürgens Jungs schon keine Zeit gehabt, Standardsituationen zu üben, angeblich, weil die taktischen Defizite so groß waren. Das mag damals gestimmt haben, wenn man sich Metzelder und Podolski anschaut, mag das auch heute noch stimmen. Dennoch halte ich mal abends ne halbe Stunde Freistoß- oder Eckstoßvarianten üben, zumindest mal besprechen, für keinen so arg schlechten Grund, die Playstation, die Freundin oder die Skatkarten (Skat? Klingt ein bisschen nach 1982, dabei war Mertesacker da noch gar nicht geboren.) wegzulegen und sich auf die eigentliche Aufgabe vorzubereiten. Aber nun gut, so ein freier Nachmittag, das ist ja speziell für die Herren Lehmann, Podolski, Metzelder, aber auch Schweinsteiger und Frings oder Odonkor etwas total Neues in dieser Saison und so ist ein solcher nun mal wichtiger als eine erfolgreiche Standardsituation beim „großen gemeinsamen Ziel“.

7 Kommentare

Presseschnee von morgen: ¾ erster Spieltag

„Holland jetzt Favorit Nr. 1″ — wie man weiß, ist es im Fußball noch nie vorgekommen, dass eine Mannschaft erst ein Spiel gewinnt und dann ein Spiel verliert. Wer einmal ein Spiel gewinnt, der gewinnt per fußballimmanenter Regel zwangsläufig alle folgenden Spiele. Also zumindest bis zum nächsten. Deshalb, klar, ist Holland jetzt schon Weltmeister, während Italien die nicht nur theoretisch unmögliche Aufgabe bevorsteht, gegen Frankreich und Rumänien zu gewinnen. Etwas, was Italiener nicht gewöhnt sind: In der Vorrunde schon richtig Gas geben zu müssen. Allerdings darf man ihnen zutrauen, zu wissen, wo das Tor steht, schließlich hätte Luca Toni alle seine Chancen „bei den Bayern natürlich reingemacht“ – klar. Es liegt immer an irgendwelchen äußeren Umständen, wenn man das Tor nicht trifft, möglicherweise war das Stadion auch zu klein, selbst Oliver Kahn fiel es bekanntermaßen schwer, sich in kleinen Stadien wie in Getafe oder im Camp Nou zu motivieren. Außerdem ist es immer noch cooler, so eine Krawatte wie Donadoni zu tragen als so keine Krawatte wie Marco van Basten, der damit zu sehr an Rudi Völler erinnert, den lebendigen Beweis dafür, dass man Deutsche nicht vor internationale Fernsehkameras stellen sollte, wenn es um Mode geht.

„Deutschland nur noch Favorit Nr. 2″ — da Italien aufgrund der Gesetze des Fußballs, dass Holland kein Spiel mehr verliert, schon ausgeschieden ist, kann Deutschland eigentlich nur noch von einem Land gestoppt werden: Kroatien. Und das im nächsten Spiel. Was danach passiert, weiß man noch nicht, aber es könnte sein, dass Löws Bilanz ein bisschen verhagelt wird oder sogar, dass Podolski nach Erhalt der Mitteilung, dass er auch eine Oma aus Kroatien hat, das Toreschießen weiterhin nicht bejubelt. Er wäre wohl der erste Torschützenkönig einer EM, von dem es keine Jubelbilder gibt. Vermaledeiter fehlgeleiteter „Respekt“ vor irgendetwas. Wer auf den Platz geht, muss damit rechnen, Gegentore zu bekommen, wer den folgenden Jubel seines Gegners nicht ertragen kann, sollte lieber abends noch in der Uni-Bibliothek vorbeischauen, statt eine Fußballpartie zu beginnen.

„Das deutsche Spiel hatte Dellen“ — Netzer und Delling in Hochform, letzterer schon zuvor mit dem einen oder anderen Delling („An diesem Tage gab es auch noch andere Themen, und welche das sind, erfahren wir in den Tagesthemen.“), lassen noch mal klar erkennen, dass Uli Potofski einfach nur der falsche Sidekick für den (Kommentatoren-) frühen Günter Netzer war. Hach, gegen wen werden wir diese beiden eintauschen? Achja:

„Scholl der neue Stern am Kommentatorenhimmel“ — so einfach ist das nämlich im Fußball, man muss nur intelligenter sein als Effenberg, Basler, Matthäus und Andy Brehme einzeln oder auch zusammen, was der durchschnittliche Leser dieser Zeilen locker schafft, sonst hätte er den Weg zu dieser Seite auch nicht gefunden. Schon ist man super, toll, grandios und eigentlich waren ja sowieso alle immer schon Fan von Mehmet Scholl, obwohl der ja, o Wunder, 25 Jahre lang beim falschen Verein spielte. Der Quoten-Bayer, eine Rolle, die jetzt wohl Ribéry übernimmt, den jeder liebhaben darf. Dann natürlich erst recht, wenn er im Fernsehen über Fußball quatschen darf, und sich dabei sprachlich so verhält, als sitze er einem im Biergarten gegenüber. „Find ich voll zum Kotzen“ und ähnliche Phrasen, die man von Netzer nie hören würde, geben dem gemeinen Fan endlich die Gelegenheit, sich selbst auf Analystenaugenhöhe mit denen da im Fernsehen zu sehen. Etwas, was Klopp durch seine Taktik-Videotafel aus gutem Grunde zu verhindern weiß. Immerhin hat Scholli, wie er „liebevoll von seinen Fans genannt wird“, einen anderen Kommunikationstrainer als Lothar Matthäus, offensichtlich nämlich gar keinen. Symbadisch, schon, aber mehr erst mal noch nicht. Und die Tiefe, die da viele gesehen haben wollen, gipfelte in der Erklärung, warum Ribéry nicht rechts sondern nur links dribbeln dürfe:

Weil er auf rechts nach seinem Trick an der Eckfahne steht.

11 Kommentare

In the year 2525

In jenem Jahre wird es vielleicht soweit sein, dass alle an diesem Ballyhoo Beteiligten die lächerlichen 17einhalb Regeln kennen, bevor sie sich hinstellen und über dieses Spiel palavern. Einfach nur um ein Gefühl dafür zu bekommen, was ein echtes Regelwerk — und nicht nur ein paar nicht zu Ende gedachte und dahingeschmierte Sätzchen — ist, empfehle ich die Lektüre der Regeln des American Footballs. Schade, dass ich im Jahre 2525 schon tot gewesen sein werde, denn diesen Moment, in denen Menschen, deren Job es ist, über das, was innerhalb der 17einhalb dahingeschmierten Regeln passiert, zu berichten, zu sinnieren und es zu analysieren, die Regeln kennen, hätte ich gerne noch erlebt.

5 Kommentare

Man weiß, dass man alt geworden ist …

… wenn man zwei Welt- und zwei Europameistertitel miterlebt hat, gleichzeitig aber schon derer 3 WM-Finalniederlagen und es irgendwie albern bis lächerlich findet, nach einem einfachen Vorrundensieg gegen eine eher marginal daherspielende Mannschaft so etwas wie einen Autokorso zu veranstalten, wild hupend durch die Nacht zu fahren, Fahnen zu schwenken und rumzugröhlen.

Die Leute wissen eben nicht, was es heißt, steigerungsfähig zu bleiben. Wie soll man Sex genießen, wenn man schon vor dem Ausziehen, nun ja.

2:0 in der Vorrunde. Die Hupe bleibt stumm. Man nimmt das genießerisch hin, wohlwissend, dass da noch mehr folgen wird, aber man entblößt sich doch nicht nach einer kleinen Vorspeise schon vor seiner Nachbarin.

12 Kommentare

Der FOTO/Fakt-Skandal

Eigentlich ist es keinen eigenen Beitrag wert, aber das ZDF schafft es gerade doch tatsächlich, die Geschichte mit den „huch, Gottchen, überaus hässlichen, ekelhaften“ Titelblättern der polnischen Boulevardblätter ausführlich zu berichten, ohne auch nur ein Wörtchen darüber zu verlieren, dass das Ganze ein Spr*nger-internes Ping-Pong-Spiel ist.

Wie ist sowas möglich?

Und was will man damit erreichen? Warum werden die knapp 10-15-20 Millionen Fernsehzuschauer nicht darüber aufgeklärt, was die eigentlichen Gründe für solche Schlagzeilen und Titelbilder sind? Von FOTO ist man ja nix anderes gewöhnt, von Öffentlich-Rechtlichen allerdings darf man genau dieses zurecht erwarten.

Hab ich also mein Geld mal wieder in ein nach unten offenes Fass werfen müssen. Schade. Ich warte immer noch auf das Geräusch des Aufschlags.

4 Kommentare

Ein Wort zur Eröffnungsfeier

Wenn man diese Eröffnungsfeier der EM 2008 genossen hat, wird das, was München (man kann kaum Deutschland sagen) da zur WM 2006 abgeliefert hat, noch mal deutlich peinlicher, als es ohnehin schon ist. In einer langen Karriere Eröffnungsfeier erduldenden Lebens war diese Eröffnungsfeier gestern das kurzweiligste und wenig schmonzettenhafteste, was man je zu Gesicht bekam.

Pixelig wurde nicht mal ignoriert, dass es so etwas wie Rechner inzwischen gibt, gleichzeitig wurde man nicht als total unbedarft eingestuft und die Notwendigkeit, über die gesamte Historie der Schweiz aufzuklären, abgelehnt. Das war erleichternd.

Zudem wurde wenig bis gar nicht getanzt, was immer gut ist, wenn es um Fußball geht. Gleichzeitig versprühten Damen, die Teil der Show waren, auf den Rängen in weißen Kleidern gute Laune und noch irgendetwas, wahrscheinlich Glitter, was eine schöne Idee war. Nur kurze 15 Minuten reichten, und schon war die beste Eröffnungsfeiershow seit man hier denken kann, also seit 1982, erledigt. Ich würde sogar fast sagen: Das können nur die Schweizer.

(Die Pein, die der Gedanke an die Eröffnungsfeier von 2006 verursacht, ist kaum auszuhalten.)

8 Kommentare